Die Top 12 des fotoforum-Awards 5/2026
»TIERE«
1. Platz, Kategorie Säugetiere
Tibor Litauszki: »Auf dem Heimweg«
Tibor Litauszki aus Stein ist hart im Nehmen: Mehr als 50 Nächte verbrachte er für dieses Foto im Wald, um Fledermäuse zu beobachten und um zu experimentieren, wie er seine Bildidee in die Tat umsetzen könnte. „Das Bild entstand letztendlich mithilfe der Mehrfachbelichtung. Bei der ersten Belichtung fotografierte ich eine jagende Fledermaus mit einem Stroboskopblitz und manueller Fokussierung. Für die zweite Belichtung platzierte ich die Kamera in einer nahegelegenen Baumhöhle. Das endgültige Bild entstand durch die kamerainterne Zusammenführung dieser beiden Aufnahmen“, erklärt er. Die Jury war sprichwörtlich geflasht. Eine Fledermaus samt ihrer Flugbahn, gleich dreimal in einer Art Höhle … das hatte sie noch nicht gesehen. Blitzschnell gingen alle drei Daumen nach oben und auch in der Schlussdiskussion war schnell klar, dass dieses Bild auf den Platz des Gesamtsiegers gehört.
200 Euro / 10 Punkte
2. Platz, Kategorie Säugetiere
Kai Bratke: »Hirsch«
Kai Bratke aus Rostock fotografierte 2025 auf dem Darß diese Silhouette eines Rothirschkopfes in einem Schilffeld. „Wie viele andere Fotografen stand ich an diesem Abend auf dem Bohlenweg am ehemaligen Nothafen Prerow, als sich auf der gegenüberliegenden Seite dieser Rothirsch in einem Schilffeld näherte. Als der Hirsch sich immer weiter in Richtung der flachen Landspitze bewegte, kam mir die Idee mit der Silhouette. Dafür musste ich runter bis zum Strand und mich auf den Boden legen, damit sich der Kopf vor dem Himmel abzeichnete. Ich erntete zwar fragende Blicke von den anderen Fotografen, aber ich hatte mein Wunschbild“, erzählt er uns. Die Jury kannte die Szene auf dem Darß und war froh, eine andere Perspektive auf das stolze Tier geboten zu bekommen. Das opulente Spiel mit dem Weißraum macht das Bild noch interessanter.
100 Euro / 7 Punkte
3. Platz, Kategorie Säugetiere
Kerstin Pankratz: »Waldgeist«
Kerstin Pankratz aus Dortmund fotografierte diesen kleinen Waschbären im Rahmen eines Workshops und berichtet uns: „Die agilen und flinken Waschbären bei schwindendem Licht in ihrer Bewegung interessant in Szene zu setzen, war eine Herausforderung, und auch die Verschlusszeiten wurden immer länger. Eigentlich waren die Bedingungen perfekt für ICM – man musste nur den richtigen Moment abpassen. Nach unzähligen Versuchen, wollte ich schon resignieren, als die Wolkendecke aufriss und die tief stehende Sonne eine perfekte Kulisse ins Gehege zauberte. Das Licht, vermischt mit den Fellstrukturen und der Bewegung des Tieres, kombiniert mit dem passenden Wischer, bildeten den perfekten Mix für mein Wunschbild. Der gelungene Abschluss eines tollen und ereignisreichen Tages.“ Die Jury erahnte die viele Mühe und fand sofort Gefallen am verträumten Bild-Look.
50 Euro / 6 Punkte
1. Platz, Kategorie Vögel
Stefan Reithmaier: »Versteck«
Stefan Reithmaier aus Vilsheim entdeckte dieses Motiv spontan. „Mit einem 400-mm-Tele auf der Suche nach einem freien Blick auf die noch leicht verschneiten Alpen fiel mir das Feld mit seinen markanten Ruten auf. Anfangs ohne konkrete Bildidee, bemerkte ich plötzlich eine Bewegung im Unterholz. Ein junger Vogel durchquerte das Dickicht – zunächst zu schnell für eine scharfe Aufnahme. Erst als er innehielt, gelang es mir, ihn in seinem Versteck zwischen den vertikalen Strukturen zu porträtieren.“ Der Jury gefielen die Grafik des Bildes und die perfekte Position des kleinen Vogels darin. Die Unschärfen aus Vorder- und Hintergrund geben dem Bild zusätzliche Tiefe.
200 Euro / 8 Punkte
2. Platz, Kategorie Vögel
David Rückert: »Graureiher in belebter Großstadt«
David Rückert aus Berlin entdeckte diesen Graureiher in Osaka. „Ich war zum Kirschblütenfest angereist und wollte die beleuchteten Blüten mit einem Panorama der Stadt am Fluss O River fotografieren. Nachdem ich mein Stativ aufgebaut hatte, gab es ein komisches Klack-Geräusch, und als ich mich umsah, stand dieser Graureiher auf dem Geländer in etwa vier Meter Entfernung neben mir. Ich nahm meine Kamera vom Stativ, stellte sie auf lautlos und ging vorsichtig zum Vogel. Sofort hatte ich eine Idee für den Bildausschnitt: die Brücke, die Kirschblüten und der Graureiher formatfüllend. Ich machte mehrere Fotos und ging immer ein Stück näher, bis ich das Foto hatte, das ich im Kopf hatte“, erzählt er. Die Jury staunte nicht schlecht über die Nähe des Tieres und fand großen Gefallen am urbanen Kontext.
100 Euro / 7 Punkte
3. Platz, Kategorie Vögel
Rolf Mraz: »Zehn Zwerge und ein Sänger«
Rolf Mraz aus Langendorf fotografierte eine Gruppe von Zwergschwänen zusammen mit einem Singschwan in Schleswig-Holstein. „Ich machte mich frühmorgens auf den Weg und als ich ankam, schneite und stürmte es heftig. Ich musste mich auf dem Boden liegend quasi einschneien lassen – eine perfekte, wenn auch auf Dauer unterkühlte Tarnung. Nach und nach ließen sich Schwäne in meiner Nähe nieder. Diese Komposition fiel mir gleich ins Auge“, erzählt er. Die Jury sah das sehr ähnlich und lobte die Stimmung sowie die Natürlichkeit des Bildes.
50 Euro / 6 Punkte
1. Platz, Kategorie Insekten und Spinnen
Michael Dr. Sachweh: »Mit dem Wasserläufer auf Augenhöhe«
Dr. Michael Sachweh aus Erding wollte schon immer einmal den Wasserläufer auf Augenhöhe fotografieren. „So setzte ich mich in einer Bucht des Notzinger Weihers in Ufernähe ins Wasser, das mir etwa bis zur Brust reichte. Das Stativ stand im Wasser, die Kamera mit dem 600er-Tele befand sich einige Zentimeter über dem Wasserspiegel. Unter vielen Fehlschüssen – die Tiere legen leider einen in Richtung und Beschleunigung ruckartigen, und damit sehr unberechenbaren Bewegungsstil an den Tag – gelang dann dieses Foto, bei dem in puncto Schärfe und Perspektive alles passte“, erzählt er uns stolz. Die Jury konnte das bestätigen und erkannte auf den ersten Blick die Mühe und Geduld hinter dem Bild. Die anschließende Schwarzweiß-Umwandlung gibt dem Bild noch eine künstlerische Note und betont die interessanten Dellen im Wasser.
200 Euro / 8 Punkte
2. Platz, Kategorie Insekten und Spinnen
Guido Alfes: »Spätsommer«
Guido Alfes aus Oberhausen zu seinem Bild: „Die Wespenspinne wurde an diesem Abend in der Heidelandschaft vom Beifang zum Hauptmotiv. Denn der geplante Lungen-Enzian war nicht so wirklich vom Wegesrand aus zu finden. Stattdessen saß allerdings dieses Weibchen einer Wespenspinne dekorativ in ihrem Netz. Eine tiefe Aufnahmeposition und das Licht der untergehenden Sonne im Hintergrund ließen das Tier schön durchleuchten. Ein Goldreflektor hat zudem das Licht zurück auf die Spinne geworfen, die ich bewusst in eine Lücke der Gräser platzierte.“ Die Jury sah das tolle Licht und den gelungenen Bildaufbau und war sofort vom Motiv begeistert.
100 Euro / 7 Punkte
3. Platz, Kategorie Insekten und Spinnen
Ludwig Lutz: »Massensterben der Eintagsfliegen«
Ludwig Lutz aus Sinzing war auf dem Donauradweg unterwegs, als er abends Schwärme von Eintagsfliegen unter der Straßenbeleuchtung sah. „Da ich meine Kamera dabei hatte, stoppte ich, um die Lichtbahnen der Fliegen zu fotografieren. Dabei entdeckte ich die vielen toten Fliegen auf dem Boden“, erzählt er. Der Jury wurde erst auf den zweiten Blick klar, worum es sich auf dem Bild handelt, und sie fand den Wimmelbildansatz kreativ und genau richtig für den dritten Platz.
50 Euro / 6 Punkte
1. Platz, Kategorie In Aktion
Simone Baumeister: »Revierkampf«
Diese beiden Uferschnepfen beim Revierkampf fotografierte Simone Baumeister im schönsten Abendlicht. „Ob es um das Revier oder um ein Weibchen ging, konnte ich nicht ausmachen. Alles ging sehr schnell. Zuerst hörte ich die deutlichen Rufe der beiden Schnepfen und dann flog schon einer der Vögel auf den anderen zu“, erzählt sie. „Ich hatte mich an dem Abend extra so positioniert, dass ich eine Chance auf Gegenlichtaufnahmen hatte. Durch Regenfälle stand viel Wasser auf den Wiesen – das Glitzern des Gegenlichtes alleine war schon beeindruckend. Eine Uferschnepfe lief bereits nach Würmern stochernd im Wasser hin und her. Ich rutschte auf dem Bauch liegend mit, um das Gegenlicht im richtigen Winkel zu haben. Als dann die zweite Uferschnepfe mit flatternden Flügeln zum Angriff startete, schillerte das Licht durch ihre Federn und die Spektralfarben kamen toll zum Vorschein“, ergänzt sie. Die Jury war wie elektrisiert vom Licht und der Aktion im Bild. Die schillernden Farben im Gefieder setzen dem Bild letztendlich die Krone auf.
200 Euro / 8 Punkte
2. Platz, Kategorie In Aktion
Silke Hüttche: »Deichhase«
Silke Hüttche aus Wuppertal war unterwegs zum Leuchtturm bei Pilsum, als flinke Hasen ihren Weg kreuzten. „Mit längeren Belichtungszeiten entstanden einige Wischerfotos, die ich schon länger im Kopf hatte, sich aber nie die Situation dafür bot. Die Hasen ließen sich überhaupt nicht stören, und so legte ich mich auf den Boden und wartete, bis eines der Tiere direkt auf mich zukam. So gelang mir später auch noch ein tolles Porträt“, beschreibt sie die Situation. Die dreiköpfige Jury fand einen perfekten Mitzieher vor, der durch Schärfe und Unschärfe gleichermaßen lebt. Die Rasanz des Motivs ist nahezu greifbar.
100 Euro / 7 Punkte
3. Platz, Kategorie In Aktion
David Rückert: »Schlammschlacht«
David Rückert aus Berlin fotografierte diese beiden Farbkleckse an einem Wintertag in einem Berliner Park. „Im Winter, wenn es geschneit hat, gehe ich gerne in die Wuhlheide, um Vögel im Schnee zu fotografieren. Nach langer Suche bemerkte ich Blaumeisen, die von Baum zu Baum wanderten. Ich versuchte, sie mit der Kamera zu verfolgen. Dieses Foto entstand schließlich, als sie auf der matschigen Straße hin und her rangelten“, beschreibt er die Situation. Die Jury traute ihren Augen kaum, hatte sie doch solch eine Situation noch nicht gesehen.
50 Euro / 6 Punkte
