Beamertest

Bewertungskriterien und Messverfahren bei Beamern

Wie fotoforum testet …

Seit dem Einzug der digitalen Projektion informieren wir Sie über Trends und Neuheiten. Dazu zählen auch Praxisberichte und Workshops, in denen wir Beamer konkret vorstellen. Wie die Beurteilungen und die Messungen dafür entstehen, möchten wir Ihnen näher erläutern.

Sicher haben Sie bemerkt, dass wir in den Workshops über Beamer neben der erklärenden Beurteilung auch konkrete Messwerte nennen. Diese weichen zum Teil von den technischen Daten der Hersteller stark ab, und daher ist es für Sie wichtig zu wissen, wie sie zustande kommen. Bei der eher subjektiven Bildbeurteilung verwenden wir immer die gleichen Bilder und Test-Charts, damit eine Konstanz und Vergleichbarkeit entsteht.

Der Testablauf
Zunächst überprüfen wir am Beamer die Einstellung von Kontrast und Helligkeit mit Testbildern, die helle und dunkle Tonwertstufen besitzen. Falls nötig werden Korrekturen vorgenommen. Ziel ist es, eine definierte Durchzeichnung in der Tiefe und in den Lichtern zu erreichen. Das Signal wird dabei digital in der physikalischen Auflösung des Beamers zugeführt, damit Pegelabweichungen eines analogen VGA-Signals und Interpolation keine Rolle spielen.



Das „DQ-Tool“-Referenzbild eignet sich sehr gut für eine erste Beurteilung, weil es verschiedene Motive, Farben und Tonwerte enthält. Es wurde vom Photoindustrie-Verband e. V. heraus- gegeben und kann unter www.photoindustrie-verband.de heruntergeladen werden.

Alle Keystone-Korrekturen stellen wir auf Null, um Interpolation zu vermeiden und eine faire Schärfebeurteilung zu ermöglichen. Eventuell vorhandene Farbprofile werden deaktiviert, so dass die Grafikkarte ein standardisiertes sRGB-Signal ausgibt. Am Beamer wird, wenn vorhanden, der sRGB-Modus gewählt. Andernfalls wählen wir einen Modus, der am ehesten 6.500 Kelvin und sRGB entspricht. Bei DLP-Beamern wird ein eventuell aktiver Weißsektor soweit reduziert, bis sich eine ausgewogene, fotorealistische Bilddarstellung ergibt. Dies geht zu Lasten der Helligkeit, aber unsere Priorität liegt ganz klar bei der Bildqualität.


Bewegung wird mit einer Kamerafahrt über ein Panoramabild geprüft. Die rote Kugel wandert mit verschiedenen Geschwindigkeiten durch das Bild. Die Verläufe in der Kugel sollen dabei ohne Stufen wiedergegeben werden, was besonders den Ein-Chip-DLP-Projektoren schwer fällt.

Nun wird die Testsequenz projiziert, die aus digital aufgenommenen Bildern und Videos besteht und verschiedenste Motive enthält. Außerdem sind einige Test-Charts dabei, von denen eine Auswahl unten abgebildet ist. Anhand dieser Bilder beurteilen wir Farben, Brillanz, Tonwertabstufung und Schärfe unter Praxisbedingungen. Als Orientierung dient dabei ein Referenz-Beamer. Für eine moderne AV-Show ist die einwandfreie Wiedergabe von animierten, bewegten Bildinhalten wichtig.


Zu Beginn des Tests werden Helligkeit und Kontrast mit Hilfe dieser Testbilder optimal eingestellt. Der RGB-Wert 251 (L) für die Lichter und der RGB-Wert 10 (T) für die Tiefe sollen sich noch vom Hintergrund abheben. Für den Kontrast werden der hellste und der dunkelste Tonwert im Zentrum (K) gemessen und ins Verhältnis gesetzt. Bei den Messungen verwenden wir das Lux-Meter Mavolux von Gossen, insbesondere für Kontrast, sowie das EyeOne-System von Gretag Macbeth, das auch die präzise Messung der Farbtemperatur sowie die Erstellung von ICC-Farbprofilen erlaubt.
Zur Kontrolle des Bildsignals läuft immer ein Monitor mit, der dasselbe Signal erhält. So können eventuelle Ruckler eindeutig dem Beamer zugeordnet werden.


Messungen
Wir messen die Helligkeit in Anlehnung an die  europäische Norm EN 61947-1:2002. Dafür wird das projizierte Bild auf genau einen Quadratmeter Fläche eingestellt, wobei sich ein Zoomobjektiv in Weitwinkelposition befindet. Der Beamer wurde wie zuvor erläutert auf optimale Bildwiedergabe, sRGB und auf etwa 6.500 Kelvin Farbtemperatur eingestellt. Für das Erreichen der Farbtemperatur verwenden wir eine verfügbare Voreinstellung, die RGB-Regler bleiben unbenutzt. An neun Stellen des Bildes wird die Helligkeit in Lux gemessen und dann der Durchschnitt ermittelt. Da die Bildgröße einen Quadratmeter beträgt, ist der Wert für Lumen identisch. Die Angabe für die Helligkeitsverteilung gibt an, wie viel Prozent der niedrigste Messwert hat,wenn der höchste 100 Prozent entspricht.Die Kontrastmessung erfolgt nicht nach EN 61947-1:2002, weil dieses Verfahren einen reflexionsfreien Raum voraussetzt. Wir ermitteln den niedrigsten Wert in unserem Testbild für die Tiefenzeichnung und den höchsten Wert aus dem Testbild für die Lichterzeichnung nacheinander. Teilen des hohen Wertes durch den niedrigen ergibt das Kontastverhältnis. Diese Kontrastangabe entspricht zwar nicht der Norm, aber sie ermöglicht den Vergleich der in fotoforum vorgestellten Beamer.