Die Top 12 des fotoforum-Awards 2/2026
»MENSCHEN«

1. Platz, Kategorie Porträt

Fabian Glasow: »Einfach mal genießen«

Fabian Glasow aus Kempten war mit einer Depression in einer sechswöchigen Therapie und erzählt uns: „Mein Foto entstand recht ungeplant nach einem intensiven Kliniktag. Wir wollten raus, ein paar Fotos machen, das warme Licht und den Abend genießen. Eigentlich war es nur als kleine Porträtsession gedacht, doch am Ende wurde es ein gemeinsamer Moment – leicht, frei und voller Stolz. Wir waren unter Menschen, denen man nicht ansieht, wie viele Verletzungen, düstere Gefühle oder andere Probleme sie in sich tragen. Psychische Probleme gehen oft mit Scham einher. Vieles wird verschwiegen, unter den Teppich gekehrt. Mein Bild steht für das Gegenteil: Offenheit, Nähe und den Mut, sich Hilfe zu holen, bevor es nicht mehr geht.“ Die Jury war wie gelähmt, als sie das Bild sah. Das viele Dunkel, der Hauch von einem Weg, der ins Licht geht oder kurz davor abbiegt. Selbst die Frau besteht fast nur aus Dunkelheit, das Licht berührt sie allerdings sanft. Ihr Blick ist erhoben, sie wirkt in sich gekehrt, sie ist ruhig. Sie ist aber auch stark, ihre Frisur, ihr großer Ohrring zeugen von Individualität und Ausstrahlung. Ein Bild, in dem man unendlich viel lesen kann. Ein verdienter erster Platz – da war sich die Jury schnell einig.

200 Euro / 10 Punkte

2. Platz, Kategorie Porträt

Stephan Fürnrohr: »Vor seiner Kirche«

Stephan Fürnrohr aus Kallmünz fotografierte einen russisch-orthodoxen Priester der Wallfahrtskirche von Korobenikovo im Oblast Altai in Russland und berichtet uns: „Auf meiner ersten Reise nach Sibirien im Jahr 2017 habe ich in Korobeinikovo Station gemacht, um die in dieser Gegend ausgeprägten Flussmäander mit meiner Drohne zu fotografieren. Dabei besuchten wir die Wallfahrtskirche vor Ort und wurden spontan vom Geistlichen zu einem wunderbaren Mittagessen eingeladen. Der Mann trug zunächst verschlissene Arbeitsklamotten. Als ich ihn um Erlaubnis fragte, ihn fotografieren zu dürfen, winkte er ab und ließ mich enttäuscht vor der Kirche stehen, während er selbst plötzlich spurlos verschwunden war. Kurz darauf tauchte er wieder auf, dieses Mal im schwarzen Ornat. Er lächelte etwas verlegen und meinte, jetzt wäre doch ein Foto angebracht.“ Die Jury erkannte Empathie und Authentizität im Bild. Der Standort mit der Kirche im Hintergrund war zudem perfekt gewählt. Der etwas müde, aber freundliche Blick des Priesters macht das Bild perfekt.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Porträt

Jörg Seifert: »before sunrise - Pushkar Mela«

Jörg Seifert aus Hohen Neuendorf zu seinem Bild: „Im Norden Indiens, außerhalb der Stadt Pushkar, findet jährlich die größte Kamelmesse Indiens statt. Ich verbrachte dort mehrere Tage in einem Zeltcamp in der Nähe. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang ging ich zu Fuß zur Messe und kam erst nach Sonnenuntergang zurück. In der Morgendämmerung erwachen die Raika – die Kamelnomaden –, entzünden Feuer, kochen Tee und blicken, noch müde, über die weite Ebene. Noch bevor die Sonne über die Berge kletterte, traf ich einen einzelnen Raika und als sich unsere Blicke trafen, huschte ein kaum wahrnehmbares Lächeln über sein Gesicht. „I am Jo“, sagte ich. „Narayan“, antwortete er. Ich fragte ihn, ob ich ein Foto machen dürfe. Er nickte. Mit dem Licht war ich nicht zufrieden: Alles lag noch ton in ton, Konturen verschwammen, Rauchschwaden zogen durch das Bild. Und doch hob ich die Kamera. Ich wollte den Stolz und die Würde dieses jungen Mannes festhalten. Narayan hielt meinem Blick stand. Sein Gesichtsausdruck war ernst, gesammelt und spiegelte genau das wider, was ich suchte.“ Wow! Stieß die Jury wie aus einem Mund heraus, als dieses Bild aufblendete. Alles passt: Die Stimmung ist zum Greifen nahe, beinahe kann man den Tee, das verbrannte Holz und die Kamele riechen. Der Blick von Narayan ist zudem authentisch und freundlich.

50 Euro / 6 Punkte

1. Platz, Kategorie Arbeitswelten

Ronald Bottlender: »Zugführer«

Ronald Bottlender aus Hemer war am Berliner Hauptbahnhof und hatte noch etwas Zeit. Da kam ihm der fotoforum Award in den Sinn und er begab sich auf die Suche nach menschlichen Motiven. „Beim Entlangschlendern sah ich dann die Silhouette des Lokführers durch das Seitenfenster eines Triebwagens. Ich musste mich beeilen – der Zug war kurz vor der Abfahrt – und schoss schnell ein paar Fotos von der Szene“, kommentiert er sein Bild. Die Jury erkannte den spontanen Charakter des Motivs und lobte den kontextspendenden sowie guten Bildaufbau. Ein verdienter erster Platz der Kategorie.

200 Euro / 8 Punkte

2. Platz, Kategorie Arbeitswelten

Peter Kiefer: »Marché«

Peter Kiefer aus Frankfurt am Main fuhr im letzten Sommer nach Soulac in der Nähe von Bordeaux, wo er in einer Markthalle verschiedene Verkäufer und Verkäuferinnen in ihrem Arbeitsumfeld porträtierte. „Bei diesem Herren überlegte ich lange, da er öfters auch mal grimmig dreinschaute und mir Respekt einflößte. Nach mehrmaligem Vorbeischlendern über eins, zwei Tage fasste ich dann meinen Mut zusammen und sprach ihn in einer günstigen Minute an. Er war wider Erwarten sehr freundlich und ließ sich problemlos fotografieren“, erzählt er uns. Die Jury freute sich über den ehrlichen und auch freundlichen Blick des Mannes – der Mut hat sich auf jeden Fall gelohnt.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Arbeitswelten

Hans Wichmann: »Firefighter«

Hans Wichmann aus Köln hatte Porträts bei der freiwilligen Feuerwehr gemacht, als die Idee auftauchte, eine Übungsszene nachzustellen. Eine Nebelmaschine erzeugte den Qualm, der Keller der Feuerwehr diente als Kulisse. Das Gesicht des Mannes wurde mit einer Taschenlampe erleuchtet. Die Jury analysierte das Bild lange und vermutete, dass es sich um eine gestellte Szene handeln müsse. Das nimmt dem Bild allerdings nicht die Wirkung. Und so vermittelt es sehr realistisch den Eindruck eines Einsatzes.

50 Euro / 6 Punkte

1. Platz, Kategorie Emotionen

Ingrid Jost: »Musik«

Ingrid Jost aus Isen war bereits 2017 mit ihrem Fotoclub bei einem Fotoausflug in Straßburg und erzählt: „Der Vorplatz des beeindruckenden Straßburger Münsters war belebt von verschiedenen Straßenmusikern. Unter ihnen stach ein Cellist besonders hervor. Sein außergewöhnliches Aussehen sowie seine leidenschaftliche Gestik und der tiefgründige Ausdruck, mit dem er musizierte, faszinierten mich sofort. Durch den Sucher meiner Kamera wurde ich in seine musikalische Welt entführt. Die Fotos, die in dieser magischen Szenerie entstanden, begeistern mich auch heute noch. Sie sind nicht nur Momentaufnahmen, sondern erinnern mich an die starken Emotionen, die ich beim Fotografieren empfand.“ Auch die Jury war beeindruckt vom Sound des Bildes und der Hingabe des Musikers.

200 Euro / 8 Punkte

2. Platz, Kategorie Emotionen

Marion Flemming: »Nur die Liebe «

Marion Flemming aus Egestorf fotografierte in der Lüneburger Heide dieses Paar für ein Baby-Bauch-Shooting. Die Location zählt zu ihren Lieblingsorten, zudem zeigte sich an diesem Abend das Licht von der schönsten Seite. „Im Vorfeld hatte ich mit dem Paar besprochen, dass die Bilder emotional sein und die Liebe zwischen ihnen spürbar machen sollen“, schreibt sie uns und schaffte das auch. Die Jury freute sich über das harmonische Paar, das wirklich traumhafte Licht und die knisternden Emotionen im Bild.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Emotionen

Siegfried Walter: »Ich hab Spass«

Siegfried Walter aus Mauern besuchte während seines Urlaubs ein internationales Straßenfestival. Eine Gruppe aus Dänemark weckte dabei sein Interesse: „Die Artistinnen und Artisten zeigten eine Show mit atemberaubender Akrobatik und Emotionen. Ich ergriff spontan die Gelegenheit und konnte einige schöne Momente festhalten. Zu meiner Überraschung fing mich nach der Aufführung die Gruppe ab, um nach Bildern zu fragen. Das daraus resultierende positive Feedback war das Sahnehäubchen meiner spontanen Fotosession.“ Pure Energie, pure Konzentration und maximale Leistung gepaart mit enormer Freude, das war es, was die Jury in dem Bild erkannte. Mehr als genug für einen verdienten dritten Platz.

50 Euro / 6 Punkte

1. Platz, Kategorie Street

Stefan Blaas: »Vicolo scuro«

Stefan Blaas aus Regensburg ist seit einiger Zeit – wie er selbst sagt – als Jäger und Sammler unterwegs und sucht seine Motive gezielt in der Streetfotografie. Er erzählt uns: „Das Bild nahm ich in Mailand, in einer wenig frequentierten Seitenstraße unweit des Domes auf. An diesem Spätsommermorgen fiel das Licht für kurze Zeit in die Gasse und ich musste nur warten, bis eine Person auf dem Weg zur Arbeit ins Bild lief, und im richtigen Moment abdrücken.“ Wer sich mit der Streetfotografie auskennt, weiß, dass nur warten, bis etwas passiert ausgesprochen anspruchsvoll sein kann. In diesem Fall passt es allerdings hervorragend und die Jury sah eine Szene mit tollem Licht und einem Mann, der einen eigenwilligen Hüftschwung vollführt – fast so wie der berühmte Silly Walk von Monty Python. Ein echter Hingucker für den ersten Platz.

200 Euro / 8 Punkte

2. Platz, Kategorie Street

Daniela Kahlert: »Street Life Istanbul«

Daniela Kahlert aus Winnenden nahm ihr Foto auf dem Eminonu Square in Istanbul auf und beschreibt es wie folgt: „Istanbul ist eine Stadt der Zwischenräume zwischen Morgen und Gestern, Europa und Asien, Tradition und Aufbruch – und genau das vereint sich auf diesem Platz, wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, sich aber nicht in Gegensätzen aufreiben, sondern in Ruhe und Freude vereinen. So war auch die Idee für mein Foto: das Besondere dieser Stadt spürbar und erlebbar zu machen. Die Jury gratuliert. Es gelang ihr nämlich sehr gut, das freudige Treiben auf dem Platz festzuhalten.

100 Euro / 7 Punkte

3. Platz, Kategorie Street

Bernd Rech: »Through the window«

Bernd Rech aus Münster fotografierte ein Paar durch eine mit Draht verstärkte Sicherheitsscheibe. „Mein Bild entstand spontan. Insbesondere waren es die floralen und kontrastreichen Muster der Kleidung sowie das Drahtglas, die mir als Gestaltungselemente auffielen. Dabei achtete ich darauf, auf das Glas zu fokussieren, um einerseits die Distanz zum Motiv zu verstärken und andererseits um den Blick auf die intime Situation zuzulassen. Die Jury freute sich über die pixelige Szene, die durch die monochrome Umwandlung besonders stark zur Geltung kommt.

50 Euro / 6 Punkte