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Porträt

Dirk Sagebiel
„Der schwarze Hirsch “


Der schwarze Hirsch.


Im Thale dahinten, welch donnernder Schall,
Das ist das Bocksloch, der Wasserfall,
Wie stürzen die platzenden Fluten herab
Und entspringen unten dem felsigen Grab!
 

5Hier jagten die Herren von Wildenstein,

Vom Hifthorn tönte bis Abend der Hain,
Es flüchtete schnell das geweckte Wild
Weit in die Ferne, von Schrecken erfüllt.

Manch Hirschlein, vom Jagdzug eingeengt,

10Ward bis zum Wasserfall hingedrängt;

„Halloh!“ – es sprang von der Felsenwand,
Zerschlagen in blutigen Wellen es schwand.

Einst jagte Graf Ruprecht von Wildenstein
Auf raschem Renner im Forst allein;

15Nichts hatt’ er geschossen und ritt schon lang,

Da rauschten im Walde die Bäume so bang:

Ein schwarzer Hirsch aus felsigem Haus
Tritt hinter den finstern Tannen heraus;
Er stellt das Geweih hoch über das Haupt,

20Daß es die zitternden Bäume entlaubt.


Das Gehörn ist so zackig, gewunden, krumm,
Die feurigen Augen rollen herum,
Sie bannen das Roß in fiebrischen Krampf,
Aus der Nase qualmt ein glühender Dampf.
 

25Der Ritter stößt in’s gellende Horn

Und stachelt das Roß mit blutigem Sporn,
„Wohlauf, ein seltsam Wild, fürwahr,
Ein riesiger Hirsch mit schwarzem Haar!“

Drauf fliegt der Reiter schnell hervor,

30Drauf springt der Hirsch durch Hecken und Moor,

Schießt durch den Wald wie Sturmgebraus,
Bricht aus den Felsen die Tannen heraus.

Der Ritter folgt auf kecker Bahn,
Es faßt ihn ein feuriger, toller Wahn,

35Schon donnert vor ihm der Wasserfall,

„Der Hirsch muß hinunter in den Schwall!“

Der Hirsch, er schwebt vom Felsenrand
Hinüber an das andre Land,
Das Pferd, es springt vom Felsenrand,

40Und Roß und Reiter in Fluten schwand.


Da schaut der schwarze Hirsch hinab
Wild blökend in das wogende Grab,
Ruht dann behaglich auf grünem Rain:
„Jetzt ist des Frevlers Seele mein!“

 

Mühl, Gustav  1878

Kategorie: Tiere
Rubrik: Porträt
Hochgeladen: 16.01.2013
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Kamera: Canon
Objektiv: EF70-200mm f/2.8L IS II USM
Blende: f 2.8
Brennweite: 125 mm
Belichtung: 1/400 sec
ISO: 640
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Kommentare zum Bild

Gelöschter Benutzer
16.01.2013

ein wunderbar schönes Porträit des Hirschen, durchaus im Kontrast zum düster morbiden Text. Dein Bild hebt die dramatische Szenerie des Gedichtes auf und adelt, wie Sigrun richtig anmerkt, den Hirschen, in dessen Geweih verborgen ein * leuchtet. VG Peter

Michael Holenz
18.01.2013

Eine Schießscheibe als CR, Haha! Die Aufnahme ist in ihrer farblichen Ausprägung sehr aussagekräftig und ungemein harmonisch!
Liebe Grüße,
Michael